Schulabschluss nachholen in Deutschland: Der schnelle Weg über die Gemeinschaft
Millionen Erwachsene in Deutschland haben keinen Schulabschluss, doch der Zweite Bildungsweg bietet schnelle, staatlich anerkannte Wege nach. Dieser Ratgeber zeigt, wie man per Externenprüfung, Abendschule oder Volkshochschule den Abschluss nachholt, mit der Gemeinschaft als wichtigstem Helfer.
Loading related searches
Der Bedarf ist real und weiter verbreitet, als viele glauben. Die KfW-Forschung beziffert allein für 2024 rund 1,6 Millionen Erwerbspersonen zwischen zwanzig und vierunddreißig Jahren, die formal nicht qualifiziert sind, ein Anstieg von 460.000 gegenüber 2013. Wer ohne Hauptschulabschluss, Realschulabschluss oder Abitur dasteht, stößt bei Ausbildungsbetrieben, Weiterbildungen und Hochschulzugängen auf Barrieren, die mit einem staatlich anerkannten Abschluss verschwinden. Genau dafür existiert in Deutschland eine feste Institution, der Zweite Bildungsweg, der Erwachsenen und berufserfahrenen Jugendlichen ab siebzehn Jahren erlaubt, das nachzuholen, was im ersten Schulbesuch nicht gelang.
Der schnellste Weg führt über die Externenprüfung, auch Nichtschülerprüfung genannt. Dabei bereitet man sich selbstständig vor, mit Lehrbüchern, Online-Kursen, einer Fernschule oder einem Vorbereitungskurs, und meldet sich anschließend direkt zur staatlichen Abschlussprüfung an. Das Prinzip gilt für alle Stufen: Der Hauptschulabschluss lässt sich so in deutlich kürzerer Zeit erreichen, und auch das Abitur ist über die Nichtschülerprüfung möglich, die in allen Bundesländern der Erwachsenenbildung offensteht und dem Gymnasialabitur absolut gleichgestellt ist. Wer zeitlich flexibel lernen muss, findet hier die beste Antwort, denn es gibt weder feste Stundenpläne noch Anfahrtswege.
Die klassischen Einrichtungen ergänzen dieses Angebot. Das Abendgymnasium erlaubt es, tagsüber zu arbeiten und abends über drei, maximal vier Jahre die Schulbank zu drücken, wobei viele Schulen inzwischen auch teilweise Online-Unterricht anbieten. Die Abendrealschule führt berufsbegleitend zur Mittleren Reife, und wer vormittags in Vollzeit lernen möchte, besucht ein Kolleg, etwa das Hessenkolleg oder das Hannover-Kolleg, und erwirbt dort nach drei bis vier Jahren die allgemeine Hochschulreife. Das Bergische Weiterbildungskolleg zeigt, wie flexibel diese Formen heute sind, mit Formaten, die sich an Menschen richten, die abends arbeiten oder Kinder betreuen. Wer ortsunabhängig lernen will, nutzt etablierte Fernschulen wie ILS, SGD oder FEB, die alle Bildungsgänge bis zur staatlich anerkannten Abschlussprüfung führen.
Die Gemeinschaft ist das eigentliche Rückgrat des Zweiten Bildungswegs, und ihre wichtigste Einrichtung ist die Volkshochschule. An nahezu allen Volkshochschulen in Deutschland gibt es Vorbereitungskurse zum Hauptschulabschluss, meist als zwölf- bis achtzehnmonatige Teilzeit-Lehrgänge, sowie Kurse zum Realschulabschluss über achtzehn bis vierundzwanzig Monate, an größeren VHS zusätzlich die Vorbereitung auf die Fachhochschulreife. Die vhs Karlsruhe etwa führt mit ihrer Abendrealschule zur staatlich anerkannten Mittleren Reife, auf die viele Ausbildungsbetriebe großen Wert legen. Die VHS ist damit der niedrigschwelligste Einstieg in Deutschland, ein Ort in der eigenen Stadt, an dem man sich anmeldet, beraten lässt und mit anderen Erwachsenen gemeinsam lernt.
Dazu kommt ein dichtes Netz öffentlicher Beratung. Die Bundesagentur für Arbeit erklärt auf ihrem Portal Schritt für Schritt die Wege des Zweiten Bildungswegs, von der Abendschule bis zum Kolleg. Städte wie Hannover bündeln ihre Angebote in staatlichen Gymnasien für Erwachsene, und Bremen betreibt mit der Erwachsenenschule eine Einrichtung, die alle Schulabschlüsse unter einem Dach vereint, in Tages- und Abendform, mit Blended Learning und ohne Schulgeld. Wer unsicher ist, wo der eigene Weg beginnt, findet in der Bildungsberatung seiner Kommune oder bei der Volkshochschule eine erste kostenlose Anlaufstelle, die den passenden Abschluss, die passende Dauer und die passende Lernform klärt.
Finanziell ist der Zweite Bildungsweg in Deutschland bemerkenswert zugänglich. Die staatlichen Einrichtungen sind in der Regel gebührenfrei oder stark gefördert, und für Teilnehmende in Vollzeitformen kann eine Förderung über das BAföG hinzukommen. Die Abschlüsse selbst sind denen des ersten Bildungswegs vollständig gleichgestellt, unabhängig davon, ob man den Hauptschulabschluss über die VHS, die Mittlere Reife über die Abendrealschule oder das Abitur über eine Fernschule und die Externenprüfung erreicht. Entscheidend ist dabei immer die staatliche Anerkennung, denn nur sie öffnet die Türen zu Ausbildung, Studium und Beruf, während Angebote ohne diesen Status keinen Wert für den Lebenslauf haben.
Zusammengefasst war der Weg zum Schulabschluss in Deutschland selten so schnell und so gut begleitet wie heute. Die Externenprüfung bietet eine flexible, direkte Route mit vollständig gleichgestellten Abschlüssen, die Abendschulen und Kollegs bieten den strukturierten Weg neben Beruf oder Familie, und die Fernschulen entkoppeln das Lernen vollständig von Ort und Zeit. Was das alles für viele Menschen möglich macht, ist die Gemeinschaft, die dahintersteht: die Volkshochschule im eigenen Viertel, die Bildungsberatung der Kommune, die Agentur für Arbeit und Städte, die ihre Erwachsenenschulen schulgeld frei halten. Der erste Schritt ist zugleich der einfachste: zur nächsten Volkshochschule gehen, nach einem Vorbereitungskurs fragen oder den Beratungstermin bei der Agentur für Arbeit vereinbaren. Der Abschluss, die Ausbildung und das nächste Kapitel sind näher, als sie aussehen.